Innsbrucker Gender Lecture 23: Anna Bergmann „Zur Reaktualisierung eines rassistischen Bevölkerungsdiskurses – Thilo Sarrazins Schrift ‚Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen'“

 
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23. Innsbrucker Gender Lecture:
Anna Bergmann (Erziehungswissenschaftlerin, Univ. Innsbruck/Univ. Wien): ’Zur Reaktualisierung eines rassistischen Bevölkerungsdiskurses – Thilo Sarrazins Schrift ‚Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen’‘
Kommentar: Maria Wolf, Universität Innsbruck
Moderation: Max Preglau, Universität Innsbruck

In dem Vortrag werden die zentralen Verbindungen von Biologismus, Rassismus und Antifeminismus der alten rassenhygienischen Debatte und deren Reaktualisierung durch den sozialdemokratischen Politiker Thilo Sarrazin thematisiert. Sarrazin greift in seinem Bestseller auf Argumentationsfiguren der Gesellschafts- und Rassenbiologie zurück, die seit Anfang des 20. Jhs. von Wissenschaft und Politik popularisiert wurden: Mit Untergangsprophezeiungen prangerte man das Gebärverhalten von armen Frauen wegen einer vermeintlichen ’Vielgebärerei‘ an, Frauen aus dem Bürgertum hingegen wurde eine kulturzersetzende ’Unterfruchtbarkeit‘ vorgeworfen. Sarrazin transponiert diesen Diskurs auf das Gebärverhalten von ’deutschen‘ Akademikerinnen einerseits und von Migrantinnen sowie von sozialhilfebedürftigen Frauen andererseits. Auch schreibt er in der Tradition des völkischen Antisemitismus der religiösen Gruppe der Musliminnen eine spezifische Genetik mit kulturbedrohenden Potentialen zu.

Apl. Prof. Dr. Anna Bergmann, Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck. Sie veröffentlichte 2004 ’Der entseelte Patient. Die moderne Medizin und der Tod‘.

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